Winkelmaß:
Freimaurerei und Politik
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Freimaurerei und Politik

 

Freimaurermagazin „Winkelmaß“

Nr. 1 / November 2010


Politik „DER" Freimaurerei?

Ein Interview mit dem Autor Dieter Rüggeberg


Er ist wahrlich kein Freund der Freimaurerei und seine Bücher gehen mit der „Geheimpolitik" von Freimaurern hart ins Gericht. Darf ein Freimaurermagazin einem Autor wie Dieter Rüggeberg Raum zur Veröffentlichung seiner Ansichten geben?

Winkelmaß meint: Ja! Denn wer Aufklärung ernsthaft betreiben will, muss auch seine Kritiker zu Wort kommen lassen.


Winkelmaß: Herr Rüggeberg, Sie beschäftigen sich seit Jahren mit dem Thema Freimaurerei, wobei Ihre Bücher auf den ersten Blick als „anti-freimaurerische Literatur" erscheinen. Ist dem wirklich so?

Dieter Rüggeberg: Auf Seite 54 der „Geheimpolitik-2" finden Sie folgenden Abschnitt im Kapitel „Freimaurerei und Weltanschauung": „Die nachfolgende Betrachtung wird zeigen, dass große machtpolitische Bewegungen immer mit ganz bestimmten Weltanschauungen verbunden sind. Da diese Weltanschauungen dem Dogmatismus und der Machtpolitik der Kirchen in die Quere kamen, bestand hier ein ganz scharfer Gegensatz, der sich durch verschiedene Verfolgungen auswirkte. Diese kirchlichen Verfolgungen waren mit ein Grund dafür, dass die Anhänger des Mysterienwissens sich in Geheimgesellschaften zusammenschlossen. Auf die Inhalte der in diesen Logen gehüteten Geheimnisse werde ich an entsprechender Stelle noch hinweisen. Außerdem möchte ich betonen, dass es mir nicht darum geht, hier eine Pauschalverteufelung der Freimaurerei zu betreiben. Als Hermetiker kann ich selbstverständlich kein Gegner einer positiven Mysterienlehre sein. Allerdings bin ich Gegner des Missbrauchs und der Pervertierung positiver Mysterien, deshalb habe ich mich bemüht, Licht und Schatten scharf und deutlich heraus zuarbeiten.“

Die Freimaurerei wurde von mir nur als Beispiel betrachtet. Ich habe mehrfach erwähnt, dass u.a. die Politik anderer Orden, wie z.B. Skull & Bones, 99er-Orden und gewisser Kirchenorden, wie Jesuitenorden oder Opus Dei, mit dem gleichen kritischen Blick betrachtet werden muss. Es ist eine Tatsache, dass manche Personen mehreren Orden oder Logen gleichzeitig angehören, was eine Erforschung der wirklichen Position natürlich sehr erschwert.


Winkelmaß: Wo endet politisches Engagement des Einzelnen, wo beginnt „Logenpolitik"?

Dieter Rüggeberg: Dazu finden Sie auf Seite 207-208 folgende Sätze: „Es ist klar, dass die Maurerei das Land nicht regiert. Aber die Regierung ist zusammengestellt aus Männern, unter denen einige zu ihren Verdiensten die Ehre hinzufügen können, zur liebevollsten, freiesten, edelsten und heiligsten Institution zu gehören, dem erhabenen maurerischen Orden. ...'Natürlich, die Maurerei regiert nicht. Aber alle Männer, die regieren, sind Freimaurer. Das erinnert an die berühmte Unterscheidung zwischen der Sowjet- Regierung und der Dritten Internationale)."

Beispiele freimaurerischer Taten in der Politik finden sich etliche im Kapitel „Freimaurerei und Politik". Ob die geschilderten Taten mit den wahren Idealen der Freimaurerei übereinstimmen, möge der Leser selbst entscheiden. Dazu noch ein Zitat von Seite 178, aus dem zu erahnen ist, wo „Logenpolitik" beginnt: „Das tatsächliche Bestehen einer freimaurerischen Weltkette durch ihn (den Schottischen Ritus) ist im Gegensatz zu den sich oft aus dogmatischen, politischen und kulturellen Gründen vielfach gegenseitig befehdenden Großlogen der grundlegende Vorteil für die erfolgreiche Tätigkeit der Hochgrade. Der Schottische Ritus mit seinen 36 Obersten Räten (Supremes Conseils) ist für die gesamte Hoch gradweit eine gleiche Lehrart, eine gleiche Arbeitsweise, also eine einheitliche freimaurerische Front)", berichtet uns der Hochgradbruder Dr. K. Lerich.

Winkelmaß: Wo muss man trennen zwischen Eigeninteresse (z.B. mafiöse Entgleisungen à la P2) und wirklichem Interesse an der Verbesserung der Gesellschaft?

Dieter Rüggeberg: Die Trennung verläuft zwischen sozialen und antisozialen Taten. Wenn diejenigen Freimaurer, die eine Verbesserung der Gesellschaft wünschen, sich nicht offen distanzieren von jenen Freimaurern, die eine verbrecherische Politik unterstützen, dann ist eine Unterscheidung schlecht möglich und es ist kein Wunder, wenn die Idealisten unter den Freimaurern mit den Kriminellen in einen Topf geworfen werden.


Winkelmaß: Was ist eigentlich daran „schlimm", wenn eine Vereinigung (z.B. FM) sich entschließt, aus ihren Idealen heraus in die Politik einzugreifen?

Dieter Rüggeberg: Die Untersuchung der politischen Tatsachen zeigt leider, dass nicht aus den wahren freimaurerischen Idealen heraus Politik betrieben wird, sondern dass die Ideale verraten und für antisoziale und kriminelle Machenschaften missbraucht werden. Bedenken Sie, dass fast alle amerikanischen Präsidenten Freimaurer waren, und schauen Sie sich deren Taten an. Als Adolf Hitler 1933 zur Macht schritt, hatte er hinter sich den Hochgradfreimaurer Henry Ford, links neben sich den Hochgradfreimaurer Hjalmar Schacht und rechts neben sich den Hochgradfreimaurer Rabbi Leo Baeck, um nur ein paar Beispiele zu nennen, die sich beliebig vermehren ließen. Als dann der 2. Weltkrieg ablief, waren weitere Hochgradfreimaurer an vorderster Front beteiligt, wie Winston Churchill, Franklin D. Roosevelt und Harry S. Truman. Sie müssen doch zugeben, dass ein Wissen über solche Hintergründe für die Beurteilung der an diesen kriegerischen Ereignissen beteiligten Persönlichkeiten von großer Bedeutung ist. Welche Ideale diese „Ehrenmänner" verfolgten, das kann jeder an der Zahl der durch sie verursachten Toten ablesen und daraus seine Schlüsse ziehen. Eine Reformation der Freimaurerei erscheint mir angesichts solcher Tatsachen dringend geboten.


Winkelmaß: Herr Rüggeberg, obwohl es an dieser Stelle sicher vieles zu entgegnen gäbe, möchten wir Ihnen eine andere Frage stellen: Eine bestimmte Richtung der Freimaurerei, die jedoch von der überwiegenden Mehrheit der Freimaurer als irregulär betrachtet wird verkörpert der Grand Orient de France.- Diese Großloge sieht sich traditionell „politisch links", da sie ihre Wurzeln in der französischen Revolution ansiedelt. Wenn also – hypothetisch oder wahr – der GOdF dahingehend in die Politik eingreifen würde, z.B. indem er die heutige französische Sozialistische Partei unterstützte, wäre dies doch eigentlich legitim, oder?

Dieter Rüggeberg: Hier bedürfte es einer längeren Diskussion darüber, was einer im politischen Raum als links oder rechts bezeichnet und wo links aufhört und rechts anfängt. Nicht nur der GOdF, sondern auch die englischamerikanische Freimaurerei hat die sozialistischen Experimente im Osten aktiv unterstützt. Natürlich ist das legitim, aber es hat eben ca. fünfzig Millionen Menschen das Leben gekostet. Somit kann man diese Unterstützung wohl nicht positiv bewerten.


Winkelmaß: Wie stehen Sie zu den Ideen der Aufklärung, die ja die entscheidende Basis freimaurerischen „politischen" Denkens sind?

Dieter Rüggeberg: Das ist wiederum ein umfangreiches Kapitel, von dem sich Teile im Kapitel „Freimaurerei und Weltanschauung" meines genannten Buches befinden. Bezüglich der Schlagworte „Freiheit, Gleichheit, Brüderlichkeit" tendiere ich zu der Anschauung von Rudolf Steiner, der darauf in seinen Betrachtungen zur „Dreigliederung des sozialen Organismus" eingegangen ist. Er definierte: Freiheit für das Geistesleben, Gleichheit vor dem Gesetz und Brüderlichkeit im Wirtschaftsleben, womit ich völlig übereinstimme.


Winkelmaß: Stichwort: „Mythos" freimaurerisch-jüdische Weltverschwörung: Wie stehen Sie dazu?

Dieter Rüggeberg: Das Für und Wider bezüglich der sogenannten „freimaurerisch-jüdischen Weltverschwörung" ist mir bekannt, insbesondere bezüglich der „Protokolle der Weisen von Zion". Dazu brauche ich eigentlich nur einen einzigen Satz aus meiner "Geheimpolitik" zu zitieren, den mir nach 20 Jahren niemand wirklich widerlegt hat. Er lautet in Band 2, Seite 42: „Diese zwei Zitate beweisen einmal mehr, wie richtig die von mir im 1. Band der Geheimpolitik aufgezeigte Beurteilung der Protokolle ist: Sie sind ohne jeden Zweifel ein Programm der Verschwörung mit dem Ziel der Weltherrschaft, ohne Rücksicht darauf, ob diese von Juden, Engländern, Amerikanern, Eskimos, Pygmäen oder wem immer angestrebt wird."

Das ist das Resultat meiner Untersuchungen. Heute könnte ich, auch mit Hilfe des Internets, mein Material leicht verzehnfachen. Diejenigen, welche die Anwendung der Protokolle in der Weltpolitik ablehnen, sind entweder Unwissende oder von denen gekauft, die diese Rezepte für ihre Machenschaften benutzen. Zu den Weltherrschaftsplänen habe ich auf S. 197-198 geschrieben: ,,An dieser Stelle möchte ich den Leser auf die drei Hauptthesen hinweisen, die von kompetenten Autoren bezüglich der Weltherrschaft vorgetragen werden: Antony Sutton behauptet, dass die Weltherrschaftspläne vom Orden Skull & Bones ausgebrütet wurden; Carrol Qulgley behauptet, dass die Weltherrschaftspläne von der Geheimgesellschaft Rhodes-Milner geschaffen wurden; Hitler, Ludendorff, Ford und diverse andere bereits zitierte Autoren behaupten, dass die Weltherrschaftspläne von jüdischen Organisationen oder Logen, insbesondere Frelmaurerlogen, ersonnen wurden. Ja - diese Welt ist kompliziert, wobei der asiatische Raum noch nicht einmal berücksichtigt wurde."

Wie ich denke, zeigen diese Zitate, dass von einer einseitigen Schuldzuweisung bei mir keine Rede sein kann. Diejenigen, welche die von mir aufgezeigten Wahrheiten als rechtsradikal oder antisemitisch beurteilen, kann ich nicht als ernsthafte Dialogpartner akzeptieren. Der Markt der politischen und religiösen Kritiker ist voll von gekauften Provokateuren aller Sorten, das ist mir gut bekannt. Diejenigen, die mir Einseitigkeit unterstellen, sollen erst einmal ihre Weltanschauung auf den Tisch legen und offenbaren, wer ihre Meinung bezahlt, dann kann man weiter diskutieren. Meistens gehen die Kritiker nach dem Rumpelstilzchen-Verfahren vor: „Ach wie gut, dass niemand weiß, dass mein Urteil von meiner Kirche, Loge oder Sekte bezahlt wird", wobei natürlich der eigene weltanschauliche Hintergrund geheim gehalten wird. Auf diesem Niveau ist ein fruchtbarer Dialog nicht möglich. Winkelmaß: Wir danken für das Gespräch.